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Die Geschichte

Der Brezenreiter in der Heilig Geist Kirche in München

Im restaurierten mittleren Deckenfresko des Hauptschiffes der Heiliggeistkirche am Viktualienmarkt befindet sich der sogenannte Breznreiter, ein bärtiger Mann mittleren Alters, in ein braunes Gewand gehüllt, einen Korb mit Brezen in der linken Hand. Hinter ihm ist ein Mann in blauem Gewand, der bereits eine Breze ergatterte hat und dem Schimmel tief in die Augen blickt. Die bewegte Szene bildet ein kleines Detail des gesamten Freskos, die sich am untersten Rand des Deckenfreskos abspielt. Das Deckenfresko, in dem der historische Breznreiter verewigt ist, stellt die Gründung des Heiliggeistspitals dar, die von Cosmas Damian Asam auf 1727 datiert ist. Die Heiliggeistkirche wahrscheinlich von Ludwig dem Kelheimer 1208 als Spital mit Katharinenkapelle gegründet ist die älteste Hallenkirche Münchens und mit dem Spital für Arme und Kranke eng verbunden. Seit 1271 ist die Kirche Spitalpfarrei, seit 1844 Stadtpfarrkirche. Das "Weiberhaus" des Spitals wurde im Jahre 1885 abgebrochen, um den Viktualienmarkt zu erweitern.

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Der Reiter ist im Decken-Fresko der Heiliggeistkirche am Viktualienmarkt zu sehen mit seinem Schimmel und einer Brezn in der Hand.

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Deckenfresko von C.D Asam in der Hl. Geist Kirche am Vikualienmarkt

 

Fresken des Mittelschiffes:
„Ausgießung des Hl. Geistes" mit Lichtstrahlen und Feuerzungen und dessen Wirkung in den sieben Gaben Weisheit, Verstand, Rat, Wissenschaft, Stärke, Frömmigkeit und Gottesfurcht. Entsprechend hierzu sind in der Kirche dargestellt:

 

fresko2Die sieben guten Werke der Barmherzigkeit:

Die Hungrigen Speisen (Brezenreiter)
Die Dürstenden tränken
Die Nackten bekleiden
Die Fremden beherbergen
Die Gefangenen erlösen
Die Kranken besuchen
Die Toten begraben

 

Der Brezenreiter und die Wadlerspende
Am 12. Juli 1318 wurde von Burkhard Wadler, einem einflussreichen und wohlhabenden Kaufmann und Münchner Bürger und seiner Frau Heilwig die "Wadlerspende" ins Leben gerufen, eine der ersten historischen und namentlich erwähnten weltlichen Stiftungen. Zu einem beachtlichen Vermögen aus dem Salzhandel gekommen, aus den Einnahmen seiner Saline in Hall in Tirol und den Pachteinnahmen seiner Münze stiftete das Ehepaar Wadler 63 Pfund Pfennige an das Heilig Geist Spital in München. Mit dieser Spende "auf ewig Gült" konnten nun die Armen im Spital einmal pro Woche zusätzlich gespeist werden. Einmal pro Jahr hingegen sollten alle Münchner etwas davon haben: so liessen sich die Eheleute Wadler den BREZENREITER einfallen. Ein Reiter zog einmal jährlich am Tag des Evangelisten Johannes nächtens auf einem Schimmel, damit man ihn besser sehen konnte, durch München. Um ihn auch besser zu hören, waren drei Hufeisen gelockert. Und mit den Worten "Ihr jung und alte Leut, geht`s hin zum Heiligen Geist, wo`s die Wadler Pretzen geit!" rief er die Münchner zur jährlichen Brezenspende vor Heilig Geist zusammen. Einige Brezen hatte er bereits dabei, die er während seines Ritts verteilen konnte. Es waren ca. 3000 Stück, die so in München alljährlich an die Bürger ausgegeben wurden - und dies knapp ein halbes Jahrtausend!

 

Im Jahre 1801 geschah es, dass dem Reiter seine mitgeführten Brezen ausgegangen waren, darauf hin waren die Münchner so erzürnt, dass sie den armen Knecht übel zurichteten. Dies hatte zur Folge, dass der Brauch noch im selben Jahr durch die Münchner Obrigkeit endgültig abgeschafft wurde. Und alles was man nicht mehr sieht, gerät in Vergessenheit.

 

Lange Zeit ist kaum etwas über die Geschichte des "Münchner Brezenreiter" zu hören oder zu lesen gewesen. Bis zum Jahre 2007, doch jetzt hat ihn München wieder in alter Manie und neuem Gewand, den BREZENREITER, jene schillernde Figur der Münchner Stadtgeschichte. Wie er auftritt, erfahren Sie auf unseren Internetseiten! Viel Vergnügen beim Schmökern.

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Münchner Brauchtum im Zeichen der Breze!

 

 

Munich and the Brezenreiter (Pretzl Rider), klick here for movie in English version, ein Film von Frank Lukreit (Report), Peter Krüger (Kamera) und Wolfgang Lorenz (Editor), Englisches Original

 

Wie es damals war:

Ja, knapp 500 Jahre hatte die Stadt München diesen historisch einmaligen Brauch des "Brezenreiters", bis 1801! Jetzt, nach mehr als 200 Jahren, ist er wieder zurück, als altes Symbol für Münchner Brauchtum,Tradition und sozialer Verantwortung!

Am 12. Juli 1318 wurde von Burkard Wadler, einem einflussreichen und wohlhabenden Kaufmann und Bürger und seiner Frau Heilwig die „Wadlerspende" ins Leben gerufen.

 

Der Brezenreiter mit seinem Ross ritt einmal jährlich, durch München. Seine einfache Mission: er kündigte die Brezenspende an, welche die Eheleute Wadler mit 65 Pfund Pfennig den Armen gestiftet hatten. 3 Pfund Pfennig daraus wurden für die jährliche Brezenspende aufgewendet.
Am damaligen „Heiliggeistspital" bei der Heilig Geist Kirche am Münchner Viktualienmarkt ritt er los, mit den Worten: "Ihr jung und alte Leut, geht's hin zum Heiligen Geist, wo man die Wadler Pretzen geit!"

 

Einen Sack mit Brezen hatte er bereits dabei. Alle übrigen Brezen, ca. 2900 St. wurden am Heiliggeistspital ausgegeben. München hatte damals ca. 8000 Einwohner

 

So zeigt er sich heute:
"Schaut her, ich komm vom Münchner Himmel
Zu Euch auf einem braven Schimmel.
Wer mich erkennt, der sagts gleich weiter:
Das ist der Münchner Brezenreiter,
so wie ihn unsere gute Stadt
schon seit dem Mittelalter hat.
Ich reit aufs neu nach altem Brauch –
Und eine Brezn kriegt ihr auch."

(Gedicht von Alice Morgenstern, Juni 2007)

 

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